Written by Andreas Lerg

Mein Tipp: Machen Sie doch mal „Anti-Urlaub“

Mein Tipp: Machen Sie doch mal „Anti-Urlaub“ by Andreas Lerg

Wenn Menschen von ihrem Urlaub erzählen, dann pendeln diese Geschichten meist zwischen Extremen der einen oder anderen Art. Entweder der Urlauber hat fremde Länder bereist und zahllose Dinge, Sehenswürdigkeiten und Kulturen gesehen, erlebt und bestaunt. Das meist gepaart mit vielen Fahrt- oder Flugstrecken vor Ort und ständigem Unterwegssein. Urlaub mit randvollem Programm eben.

Brathühnchen in der Sonne und glücklich dabei

Andere schwärmen, dass sie irgendwo „Sonne tanken“ waren. Dort vort Ort haben sie sich dann tagelang an den Strand oder den Pool gelegt, um sich in der Affenhitze braten und bräunen zu lassen. Am besten All-inklusive vom Frühstück über Schirmchendrinks bis hin zum Mitternachtssnack.

No Action no Satisfaction

Der nächste braucht Action und macht daher „Aktivurlaub“. Da wird mit Mountainbikes auf steilsten Hängen talwärts gedownhillt. Es wird gesegelt, gesurft, geparaglidet, gewakeboardet oder gebouldert bzw. geklettert. Wer abends ohne Muskelkater ins Bett geht, der hat tagsüber einfach keinen Spaß gehabt.

Auch ich habe mir im Sommer 2014 so einen bildungslastigen Rundreiseurlaub durch Südamerika gegönnt. Ich habe mir unter anderem in Bolivien den Salar de Uyuni und in La Paz den Hexenmarkt angeschaut. In Rio de Janeiro haben wir neben der Copacabana auch die Favela Babilonia besichtigt, die mich deutlich mehr beeindruckt hat, als der berühmte Strand, der auch nichts weiter als Salzwasser und Sand ist.

Anti-Urlaub – raus aus dem Alltagsstress

Aber im Dezember war dann wieder einmal das angesagt, was ich gerne „Anti-Urlaub“ nenne und den ich mir meist mit einem Bekannten im Herbst oder Winter gönne. Die Grundidee: Irgendwo hin fahren, wo es gemütlich ist und wir unsere absolute Ruhe haben. Wir fahren dafür immer nach Dänemark an den Limfjord. An dessen Ostküste mieten wir uns ein gut bis luxuriös ausgestattetes Ferienhaus. Und dort machen wir dann: Nichts!

Einfach in den Tag hinein leben

Nichts bedeutet, dass es keine Pläne, kein Programm und keine abzuarbeitenden Attraktionen gibt. Kein Wecker klingelt, weil man irgendwann wegen irgendwas irgendwomit irgendwohin muss. Es wird geschlafen bis Du wach wirst und nicht mehr einschläfst. Dann ganz in Ruhe gemütlich frühstücken und danach in den Tag hinein leben. Ich nehme mir immer mehrere Bücher mit und verbringe viel Zeit mit Lesen. Ab und zu mal ein paar Holzscheite im Kaminofen nachlegen. Zwischendurch mal ein Schläfchen oder vielleicht mal spazieren gehen.

Und natürlich dürfen auch die Saunagänge nicht fehlen, denn wir mieten immer ein Ferienhaus mit Sauna. Nach dem Schwitzen frisch abgeduscht im Bademantel mit einem leckeren Øl (Bier) auf der Terrasse stehen und den Blick über den leise rauschenden Limfjord schweifen lassen ist sogar bei kühlem Wind oder leichtem Nieselregen wunderschön entspannend.

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Lendrup Strand
Auch im Winter ist Dänemark bei Sonne wunderschön.

Andreas Lerg

Abends machen wir meist was recht banales. Wir schauen Fernsehen, ganz platt mit einem Bierchen und einer Schüssel Chips. Dänische Ferienhäuser sind heute mit Satellitenschüsseln ausgestattet, sodass auch deutsche Sender zur Verfügung stehen. Und läuft mal nichts in der Glotze, dann sorgt der mitgebrachte Stapel Bücher für Kurzweil.

Ab und zu bietet sich der Besuch eines Schwimmbades an. Wir gehen dann ins „Dayz Rønbjerg Feriecenter“. Das ist eine Ferienanlage ähnliches wie ein Center Park. Dort gibt es ein Spaßbad mit Wellenbad, Rutschen, Whirlpool und Sauna. Leider sieht man diesem Bad mittlerweile sein Alter deutlich an, denn in die Pflege wird wohl nicht viel investiert und an Modernisierung denkt der Betreiber wohl gar nicht. Unserem Anspruch genügt das Bad, zumal es das einzige weit und breit ist. Dafür ist dort ein neues riesiges Kinderparadies mit Klettergerüsten, Rutschen und mehr entstanden.

Kochen und Essen mit Ruhe und Zeit

Was ich bei dieser „Auszeit in Dänemark“ ganz besonders genieße ist, in Ruhe und mit Zeit etwas Schönes zu kochen und dann auch in Ruhe zu essen. Viel zu oft haut man sich im Berufsalltag eilig in der Kantine etwas  in die Fresse, bevor man zum nächsten Termin hechelt.

Da oben in Dänemark gibt es in der Nähe der Ferienhaussiedlung „Lendrup Huset“ in Rønbjerg einen kleinen Hafen mit einem kleinen Fischladen. Der bietet fangfrisch an, was der Limfjord so hergibt und auch andere Fischspezialitäten bietet er feil oder kann sie mit ein bis zwei Tagen Vorlauf besorgen. Ein schönes großes Lachsfilet abends im Ofen gegart, herrlich.

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Hamburger
Kochen ist doppeltes Vergnügen - Lecker selbst gemachter Burger.

Andreas Lerg

Supermärkte haben in der Regel auch an Wochenenden inklusive sonntags geöffnet, sodass immer frisch eingekauft werden kann. Die Zeiten, in denen in Dänemark alles eklatant teurer war als bei uns, sind vorbei. Trotzdem sind Lebensmittel etwas teurer als bei uns. Dafür sind dänischen Molkereiprodukte wie Sahne oder Joghurt um Welten besser und leckerer, als das, was bei uns in den Supermärkten feil geboten wird.

Wer nicht Frokost gegessen hat, war nicht in Dänemark

Und bleibt die Küche kalt, dann darf in Dänemark der Besuch eines Restaurants zur echt dänischen „Frokost“ nicht fehlen. Eigentlich bedeutet Frokost übersetzt „Mittagessen“, ist aber nicht an die Mittagszeit gebunden. Vor allem ist Frokost viel eher eine Art zu essen. Es ist eine meist kalte Platte oder in Restaurants gerne auch ein kaltes Buffet und besteht im Wesentlichen aus drei Elementen.

Es geht los mit Fisch, Krabben und vielerlei mehr aus dem Meer. Die typischen eingelegten oder marinierten Heringe – „Sild“ genannt – sind sehr lecker. Dann folgen Fleisch, Wurst, Aufschnitt und so weiter. Das dritte Element ist allerlei Käse. Übrigens sollte man diese Reihenfolge auch einhalten. Manchmal gibt es noch einen Nachtisch und den Abschluss macht dann traditionell ein Glas gut gekühlter Aalborg Akvavit als Verdauungsschnaps.

Dänisches Zuckerbäckerhandwerk

Wer gerne Süßes zum Kaffee futtert und keine Kalorien-Phobiker ist, der ist in Dänemark sozusagen im Paradies. Der wird die dänischen Bäckereien und Konditoreien lieben und sollte ihnen deshalb unbedingt einen Besuch abstatten. Dort gibt es alles, was Leckermäuler mögen. Von Zimtschnecken über Mandelhörnchen, Blätterteigröllchen und vielerlei Kaffeestückchen mehr bis hin zu unglaublich leckere Kuchen.

Aber auch das Brot in Dänemark schmeckt sehr lecker. Zwar gibt es dort nicht so eine Vielfalt wie bei uns und auch Schwarzbrot oder ähnliches findet man selten. Dafür ist das dänische „Rugbrød“, also das dunkle dänische Roggenbrot, sehr bekannt. Es hat einen kräftigen malzigen Geschmack. Beim Frühstück ist das „Franskbrød“ nicht weg zu denken. Das ist ein Weißbrot mit einer weichen Kruste. Bei den Brötchen, in Dänemark „Rundstykker“ genannt, gibt es ebenfalls eine große Auswahl, die mit der in Deutschland vergleichbar ist.

Aalborg ist auch im Winter einen Besuch wert

Die dänische Stadt Aalborg in der Nähe ist auch im Winter immer einen Besuch wert. Die viertgrößte Stadt Dänemarks ist circa 50 Kilometer entfernt und in gut 40 Minuten zu erreichen. Schon die Fahrt dorthin am Limfjord entlnag ist recht schön und malerisch. Die Innenstadt bietet viele Möglichkeiten zum Einkaufen und zahlreiche sehr gemütliche Restaurants bieten Gelegenheit für leckere Pausen und die schon beschriebene Frokost.

Wir haben im Dezember dort den Weihnachtsmarkt besucht. Mitten in der Stadt ist zudem eine Große Eisfläche zum Schlittschuhlaufen aufgebaut, auf der viele Jugendliche nachmittags die Zeit verbringen. Dänemark ist für besonders tolle Möbel und Wohn-Accessoires bekannt. Hier wird der Interessent in den Geschäften der Innenstadt und vor allem auch am Stadtrand in mehreren Möbelhäusern und Fachgeschäften fündig.

Wer sich für das Thema Seefahrt und Marine interessiert, der darf sich das „Aalborg Søfarts– og Marinemuseum“ – also das Seefahrts- und Marinemuseum nicht entgehen lassen. Dort kann man unter anderem ein Uboot und ein Schnellboot besichtigen und viel über die dänische Seefahrt lernen.

Warum ausgerechnet im Herbst oder Winter?

Das werden wir sehr oft gefragt und zwar mit dem Hinweis: „Da ist dann doch das Wetter mies, kalt und nass. Und da ist dann auch nichts los.“ Stimmt! Aber uns geht es dabei ja nicht um das Braten in der Sonne bis zum Sonnenbrand. Dänemark im Spätjahr hat gerade für so einen „Anti-Urlaub“ mehrere Vorteile:

1. Die Ferienhäuser sind unglaublich günstig. Sie kosten oft nur ein Viertel oder Drittel dessen, was in der Hauptsaison fällig ist. Bestens ausgestattete Häuser mit allem Komfort inklusive Sauna sind meist für 400 Euro oder weniger zu haben.

2. Außerhalb der Haupt- und Nachsaison ist auch touristisch fast nichts los. Man hat also tatsächlich auch in dieser Hinsicht seine Ruhe. Keine überlaufenen Ferienhaussiedlungen, Märkte, Strände und kaum Verkehr auf den Straßen.

3. In Dänemark hat man in dieser Jahreszeit das Gefühl, als drehe sich alles etwas langsamer und entspannter.

Um genau dieses „nichts los“ geht es uns. Ruhe und nichts vor haben, plan- und zeitlos das tun, was man sonst fast nie kann: Einfach in den Tag hinein leben und mal vom Alltagsstress richtig runter kommen. Das ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber es tut unglaublich gut und entspannt.