Written by Andreas Lerg

Rostender Stahl und ewiges Salz – Salar de Uyuni – der größte Salzsee der Welt

Rostender Stahl und ewiges Salz – Salar de by Andreas Lerg

Wer an Südamerika denkt, hat Rio de Janeiro mit der Copacabana, die Wasserfälle von Iguazú und natürlich das legendäre Machu Picchu vor Augen. Doch nahe der Stadt Uyuni im bolivianischen Hochland verbirgt sich ein Reiseziel abseits der vom Massentourismus überfluteten Sehenswürdigkeiten: Auf 3671 Metern Höhe wartet der „Salar de Uyuni“, der größte Salzsee der Erde, auf abenteuerlustige Entdecker. Die Tagestouren auf die gigantische weiße Fläche beginnen meist mit dem Besuch eines ungewöhnlichen Friedhofes.

Dem sprichwörtlichen Zahn der Zeit beim Nagen zuschauen kann der Besucher auf dem „Cementerio de Trenes“, dem Friedhof der Züge außerhalb der Stadt Uyuni im bolivianischen Hochland. Auf halb im Sand verschütteten Schienen stehend, rosten zahlreiche alte Dampfloks und Eisenbahnwagons vor sich hin.

Stahlrösser in der Wüste

Wer sich fragt, wie sich die Stahlrösser in diese Einöde verirren konnten, dem erklären die ortskundigen Tourguides, dass im 19. Jahrhundert ein Eisenbahnwerk in Uyuni existierte, das Lokomotiven und andere Fahrzeuge für das wichtigste Transportmittel jeder Zeit baute, die „Av Ferrovia“, mit anderen Worten die Eisenbahn. Die wurde vor allem für den Bergbau und dort vorwiegend für den Abbau von Salpeter eingesetzt.

Der „Cementerio de Trenes“ ist meist der erste Stopp, bevor es auf den Salzsee geht. Die Touristen klettern auf den Loks herum, als wäre es ein Spielplatz für Erwachsene. An manchen Loks hängen Schaukeln aus Ketten und Stahlplatten und natürlich taugen die bizarren rostigen Maschinen auch als beliebte Fotomotive.

Auch heute noch erreichen die meisten Touristen das auf 3675 Metern Höhe liegende Uyuni über eine Schmalspurbahnstrecke. Die Fahrt ist gemütlich, im Speisewagen wird a la Carte gut und frisch gekocht, nichts wird als Fertiggericht nur aufgewärmt.

Die eher trostlos wirkende Stadt, die für ihren „Carneval de Uyuni“ bekannt ist, bildet für Touristen den Ausgangspunkt für Ausflüge auf den „Salar der Uyuni“, den mit 160 Kilometern Breite und 135 Kilometern Länge größten Salzsee der Welt.

Das ewige Salz

Der See ist auch unter dem Namen „Salar de Tunupa“ bekannt und hat eine Fläche von über 10.000 Quadratkilometern. Er entstand vor über 10.000 Jahren als ein urzeitliches See namens Tauca austrocknete. Die Salzkruste des Sees ist bis zu 30 Meter dick und kann sogar von Bussen und Lastwagen problemlos befahren werden. Insgesamt sollen hier über 10 Milliarden Tonnen Salz liegen.

Der See wird vom Río Grande de Lípez gespeist, führt also unter der weißen panzerartigen Kruste ist immer noch Wasser und ist bis zu 72 Metern tief. Es wird aber auch behauptet, dass der See stellenweise eine Tiefe von 121 Metern habe.

Salzabbau in vielen Familienbetrieben

Neben dem Tourismus lebt die Region vom Bergbau und natürlich auch vom Salz. Dessen Gewinnung ist recht einfach, wie die Besucher in einem der primitiven kleinen Familienbetriebe in dem Örtchen Colchani erleben können. Die Arbeit ist anstrengend, der Verdienst gering und das Leben der Menschen vor Ort sehr einfach und bescheiden.

25.000 Tonnen Salz bauen die Salzbauern pro Jahr ab. Das Salz wird auf dem Salzsee einfach zusammen geschabt und zu kleinen Haufen getürmt. Diese werden dann verladen und in die winzigen Betriebe gebracht. Eine große Salzfabrik suchen die Besucher vergebens.

So wie das Salz vor Ort geschürft wurde, wird es – in kleine Stücke gebrochen – auf mit Feuer beheizten Blechplatten getrocknet. Danach wandert das getrocknete Salz in eine einfache Mühle und wird „beutelfertig“ gemahlen. Die Plastikbeutel, in die die Salzmacher es abfüllen, werden mit einer Gasflamme zugeschweißt.

Spiegelnde Glätte in der Regenzeit

Dann geht es mit den Geländewagen endlich auf den Salar de Uyuni. Der Salzsee präsentiert sich als gigantische weiße Fläche, die bis zum Horizont reicht. Nur wenn es einen Sandsturm gab, ist die Fläche bis zur nächsten Regenzeit eher gelbweiß. In der Regenzeit füllt sich der Salzsee mit einer dünnen Wasserschicht und ist dann bei Windstille so spiegelglatt, dass der Betrachter glaubt, auf einen See aus Quecksilber zu schauen. Von Juni bis zum Beginn der Regenzeit im Dezember ist der See vollkommen trocken.

Ein Hotel komplett aus Salz gebaut.

Der nächste Stopp auf dem See ist das alte „Salzhotel“. Es ist komplett aus Salzblöcken gebaut und diente früher tatsächlich als Hotel. Allerdings ist die Bezeichnung „Hotel“ angesichts des eingeschossigen und eher einfachen Bauwerks arg hoch gegriffen. Es wirkt eher wie eine einfache Herberge.

Das Material zu verwenden liegt nahe, ist es doch im absoluten Überfluss vorhanden. Die „Steine“ werden einfach aus Salzblöcken zurecht geschnitten. Oft sieht man darin Schichten, die einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen. „Schmutzige Lagen“ lassen auf Jahre mit zahlreichen Sandstürmen schließen. Viele Familien in den Dörfern rund um den Salar de Uyuni bauen ihre Häuser aus Salz.

In dem Hotel sind aber nicht nur die Wände aus Salz. Nein auch die Betten, ja sogar Stühle und Tische waren aus diesem Material gefertigt. Das alte Salzhotel auf dem See dient heute eher als Zeitzeuge. Heute dürfen auf dem See selbst keine Gebäude mehr errichtet werden, aber moderne Hotels, die teilweise auch aus Salz gebaut sind, stehen direkt am Rand des „Salar der Uyuni“.

Beispielsweise das „Palacio de Sal“ – der Salzpalast – das 25 Kilometer von der Stadt Uyuni entfernt liegt. Eine Millionen Salzblöcke wurden verbaut, um ein Luxus-Hotel mit 16 Zimmern zu errichten. Es bietet reichlich Komfort unter anderem mit Trockensauna, Dampfbad und, wie könnte es anders sein, einem Salzwasser-Pool.

Vor dem historischen Salzhotel auf dem See finden die Touristen eine Art Plattform, auf der an Stäben die Nationalfahnen aller Herren Länder wehen. Viele der Gäste lassen es sich nicht nehmen, sich neben der Flagge ihres Heimatlandes ablichten zu lassen.

Die Insel Inkahuasi

Das Ziel des Ausfluges auf den Salzsee ist die Insel Inkahuasi, was in der Inkasprache „Quechua“ schlicht „Haus der Inka“ bedeutet. Hier bereiten die Fahrer der Geländewagen ein leckeres Picknick aus heimischen Zutaten für ihre Gäste vor, während diese einen kleinen Spaziergang auf dem Höhenrücken der Insel machen.

Dabei gibt es vor allem die unzähligen Säulenkakteen zu bestaunen. Die wachsen bis zu 20 Meter in den Himmel und sind teilweise mehr als 1200 Jahre alt. Vom Höhenrücken der Insel bietet sich zudem ein atemberaubender Blick über das Meer aus Salz.

Am Horizont sind Berge zu erkennen, die wenige Zentimeter über dem Boden zu schweben scheinen. Der Effekt entsteht durch Lichtbrechung über die große Distanz und ähnelt einer Fata Morgana, nur dass die Berge am Horizont kein Trugbild sind.

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Der Sonnenuntergang auf dem Salar de Uyuni ist ein einmaliges Erlebnis. (Bild: Andreas Lerg)

Am späten Nachmittag geht es dann wieder zurück nach Uyuni. Doch es wird nocheinmal mitten auf dem Salzsee gestoppt, denn der atemberaubende Sonnenuntergang bildet den faszinierenden Ausklang der Tagestour auf den „Salar de Uyuni“.

Der Salar de Uyuni ist eine Station auf der Rundreise „Best of Südamerika „. Diese kostet beim Anbieter Viventura (www.viventura.de) je nach Saison zwischen 3999 und 4399 Euro. Die Anreise mit dem Zug durch das Hochplateau in den Anden ist sehr schön und malerisch. Neben der Bahnstrecke bietet sich auch die Anreise per Flugzeug an, denn der Uyuni Joya Andina Airport wird unter anderem von La Paz und Sucre aus angeflogen. Die Einreise nach Bolivien und seine Nachbarstaaten wie Peru ist für deutsche Staatsbürger ohne Visum möglich, es genügt ein gültiger Reisepass.